Lage

9,39 Sekunden. Gemessen von denen, die gewinnen wollten.

Ein humanoider Roboter lief in Peking die 100 Meter schneller als Usain Bolt. Die Zeit stimmt vermutlich. Nur geprüft hat sie niemand von außen.

24. August 2026  ·  1 Min. Lesezeit

Am Samstag lief in Peking ein humanoider Roboter die 100 Meter in 9,39 Sekunden. Usain Bolts Weltrekord steht bei 9,58. Die Maschine heißt Tiangong Ultra, sie kommt vom Beijing Humanoid Robot Innovation Center, angetreten ist sie für das Team Tianzhuo bei den zweiten World Humanoid Robot Games.

Das Bemerkenswerte steckt nicht in der Zeit, sondern im Sprung dorthin: Im Vorjahr lag die beste Roboterzeit bei 21,50 Sekunden. Und gelaufen wurde vollautonom - anders als bei anderen Disziplinen ist Fernsteuerung über die 100 Meter ausgeschlossen. Es gab einen Startschuss, es gab ein Zeitlimit von einer Minute, die Zweit- und Drittplatzierten kamen auf 9,47 und 12,41 Sekunden.

Wer misst, ist hier die eigentliche Frage. Bei einem Leichtathletik-Weltrekord steht ein Verband dahinter, mit Regeln für Bahn, Zeitmessung, Ausrüstung und Dopingkontrolle, und mit Leuten, die nichts davon haben, wenn der Rekord fällt. In Peking hat der Veranstalter gemessen und der Veranstalter verkündet. Wie die Zeit genommen wurde, steht nirgends. Was gebremst hat, immerhin: Die Roboter fuhren in eine Schutzwand.

Und es war ein Vorlauf, nicht das Finale - das lief erst am 26. August. Der zweite Wert, der durch die Meldungen ging, ein Hochsprung aus dem Stand über 2,88 Meter, war ausdrücklich eine Vorführung und kein Wettkampf. Verglichen wird er sinnvoll nur mit dem Roboterwert des Vorjahres von 0,956 Metern, nicht mit einem Menschen: Was genau gemessen wurde, Latte, Flughöhe oder Schwerpunkt, sagt keine der Quellen.

BefundDie Zahl ist wahrscheinlich echt. Der Vergleich mit Bolt ist es nicht.

Was das für dich heißt: Wenn eine Maschine einen menschlichen Rekord bricht, frag zuerst, wer gemessen hat. Bei Sportrekorden ist das ein Verband mit Regeln für Bahn, Zeitmessung und Ausrüstung. Hier war es der Veranstalter selbst.
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